24 Stunden Schwimmen der Parktherme Bad Radkersburg 2016

Oder: Warum?! Weil ich es kann und andere nicht! (Benefiz)

Ich nehm es gleich vorweg: mein Bericht ist leider etwas lang geraten! Aber ich war gerade so im Schreibfluss! DANKE fürs Lesen!

Am 04. und 05.November 2016 fand in der Nähe meines Elternhauses, in der Parktherme Bad Radkersburg im schönen Steirischen Vulkanland, das „12. 24-Stunden-Schwimmen“ zugunsten für „Licht ins Dunkel“ statt.

Gesponsored durch das Demeter-Weingut meiner Familie und mit 4 motivierten Mitschwimmern meines Vereins SU Tri Styria gelang es mir eine Staffel dafür aufzustellen. Und am Vormittag des 04.November trafen wir uns motiviert und nervös, was uns nun erwarten würde, in der Parktherme.

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Nach dem „Beziehen“ der Thermenliegen in einem riesigen beheizten Zelt und einer Besprechung mit allen übrigen Schwimmern, durfte ich mich als erste in den Badeanzug werfen. Als „Teamkapitän“ sollte mir die Ehre zu teil werden, als Startschwimmerin in das beheizte 50m-lange Outdoor-Schwimmbecken der Parktherme zu steigen.

Zuvor hatten wir als Team „Wein von Ploder – Rosenberg powered by SU Tri Styria“ beschlossen, uns alle 30 Minuten (bzw. zu späterer Stunde alle 45 Minuten) abzuwechseln. Unter großem Applaus der Zuseher und Teamkameraden sowie der Blasmusikkapelle Radkersburg und einigen Promis tauchte ich nun um 11:00 Uhr ins kalte Nass und schwamm zügig im Pulk die ersten Längen. Man muss sich das in etwa so vorstellen: 8 Bahnen, wobei 3 davon den 81 Einzelstartern (ja die gibt’s bei einem 24-Stunden-Schwimmen) vorbehalten sind und die restlichen Bahnen werden auf die insgesamt 70 Staffeln verteilt, wobei pro Staffel immer ein Schwimmer im Wasser ist. Das heißt in meiner Bahn, waren dann so um die 15 Schwimmer die nacheinander im Rechtsverkehr ihre Längen für ihre jeweiligen Teams schwammen. Geschäftiges Treiben und stellenweise hatte das ganze etwas von einer „Full contact“ Sportart wie Kickboxen. Ein bisschen wie ein Massenschwimmstart auf 1,5m! Pünktlich um 11:30 Uhr wurde ich von der nächsten Schwimmerin abgelöst, konnte duschen und mir was Trockenes anziehen. Meine nächsten Einsätze kamen dann um 13:30 Uhr, 16:00 Uhr und um 18:30 Uhr. Und bei meinem dritten Einsatz ging ich auch zum Neoprenanzug während des Schwimmens über. Vor allem wegen der Temperaturen und der Auftriebwirkung 😉 , aber auch – um ganz ehrlich zu sein – um gegen kratzende Nägel und Ellbogen der übrigen Schwimmer sowie die gespannten Seile zwischen den Bahnen etwas geschützt zu sein. Während der Pausen tat man alles um sich nicht zu verkühlen, dh die obligatorische warme Dusche, Tee/Kaffee trinken und Essen bzw Naschen. Und um 19:00 Uhr winkte das Abendessen. Der Veranstalter hatte für jeden Schwimmer eine Portion Nudeln zur Verfügung gestellt. Die Portion Spaghetti Bolognese war selbst für mich „Nudelgericht-Verweigerer“ eine Wohltat und ich hätte mindestens noch eine zweite Portion verdrücken können.

Um 21:00 Uhr gings zum 5.Mal ins Wasser und dann kamen bereits erste Zwiegespräche mit sich selbst auf. Mein Körper: „Warum tun wir das?! Warum schwimmen wir da die ganze Zeit herum?“ Mein Kopf: „Für den guten Zweck. Für Licht ins Dunkel“ Mein Körper : „Aber ich könnte auch so 10 Euro spenden und die Couch genießen…Also warum?!“ Mein Kopf: „Aber du schwimmst doch gern… Sieh´s als Trainingseinheit“. Irgendwann verstummte der Körper dann wieder und ein Armzug nach dem anderen glitt ich durchs Wasser. Immer bis zum anderen Ende des Beckens um dort beide Sensoren (die ich am rechten und linken Handgelenk trug) an die Zeitmatte zu halten, damit meine Länge auch gezählt wurde.

Als ich nach diesem „Einsatz“ aus dem Wasser stieg, merkte ich das Schwimmen der letzten 9 Stunden bereits ziemlich. Und da unser Team 2 Physiotherapeuten der Physiotherapiepraxis GEMMA dabei hatte, begab ich mich nach dem Endledigen des Neos und dem Duschen, in die fähigen Hände der beiden. Mit einem „Tape-Stern“ auf meinem Trapezmuskel versorgt, ging es auf die Liege um etwas Musik zu hören und zu entspannen.

gemma

In den Nachtstunden hatte unser Team den „Wechsel-Intervall“ auf 45min umgestellt und als ich um etwa 23:30 Uhr bekleidet mit dem Neo zum nächsten Mal ins Wasser ging, kamen sie wieder. Die Gedanken, was man nicht alles zu dieser Uhrzeit machen könnte. Schlafen zum Beispiel :-p Aber nix da. Um 00:15 Uhr war mein Einsatz beendet und nach einer kurzen Massage von den Physio´s mit einer durchblutungsfördernden Creme, gings unter die warme Decke im Schwimmerzelt. An Schlafen war angesichts des Lichts,  des ständigen Gemurmels der übrigen Schwimmer und der Vielzahl an Handy-Weckern nicht zu denken, aber wenigstens Augen zu und Musik hören. Irgendwie hatte das Ganze auch etwas von Schullandwoche und Jungscharlagern und war sehr lustig.

Der Ablauf Badeanzug wechseln – Neoprenanzug wechseln – Schwimmkappe und Schwimmbrille auf hatte sich ab dem fünften Durchgang fast verselbstständigt und wie im Halbschlaf zog ich um 02:55 Uhr den Neo an. #alldayandallnightlong

Um 03:15 gings wieder ins Wasser, mittlerweile war der Verkehr in den Bahnen etwas gemäßigter und das Schwimmtempo aller Teilnehmer ziemlich ähnlich.
Und da meldete sich wieder mein Kopf: „Warum?“ – Körper: „Ja, weil ich es kann!“ – Kopf: „Ja, wie jetzt?!“ – Körper: „Ja, weil ich es kann! Und die, für die wir da Schwimmen (Licht ins Dunkel) könnens nicht. Also schwimmen wir jetzt wieder ein bisschen! Denk nicht weiter drüber nach!“ – Kopf: „Ok. Gut.“

Um 04:00 Uhr stieg ich wieder in die kristallklare und kühle Novembernacht, in der Umkleide bzw Dusche gabs ein geselliges Miteinander „leiden“ mit den übrigen Teilnehmern des 24-Stunden Schwimmens und immer wieder wurden Blicke auf das „Ranking“ risikiert. Also wie viele Längen die Staffel bereits „erschwommen“ hat und wer mehr und wer weniger hat. Der Sportsgeist darf natürlich nicht zu kurz kommen. Beim Ausziehen des Neoprenanzugs dann der Schreckmoment: ein Krampf in der linken Wade! Schmerzhaft, dass man die Zähne zusammenbeißt und gleich das Magnesiumpräparat in der Schwimmtasche sucht. Dazu noch eine Tasse Tee und wieder ab unter die Decke. Der nächste Versuch zu schlafen.

Mittlerweile war es endlich 7:00 Uhr früh, schön langsam wurde es heller am Himmel und ich durfte wieder – diesmal wieder für 30 Minuten – zur nächsten Schwimm-Trainingseinheit ins Wasser steigen. Die Gedanken im Kopf bzw die Zwiegespräche zwischen Kopf und Körper sind verstummt und es war nur mehr, fast meditativ, Kraulen. Länge um Länge, 50m um 50m und das nahende Frühstück, durch den Veranstalter, ein wunderschöner Ausblick. Von Semmeln (Brötchen) über Marmelade und Wurst sowie auch Gemüse und Kaffee/Tee/Saft wurde alles geboten und die müden und ausgelaugten Schwimmer versorgt.

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Um 9:30 Uhr durfte ich zum vermeintlich letzten Mal ins kühle Nass und wurde fast wehmütig das der tolle Tag nun zu Ende war. Wieder galt es eine Länge um die andere zu sammeln, primär für Licht ins Dunkel, aber auch für sein eigenes ganz persönliches Kilometerziel. Als ich dann das Becken verließ trennten mich nur mehr 8 Längen von der persönlich gesetzten 12 Kilometer-Marke. Leichter Ärger und großer Ehrgeiz stieg in mir auf und ich wollte die fehlenden Längen unbedingt noch Schwimmen. Aber auch die übrigen Teammitglieder hatten „ihre“ persönlichen Kilometermarken und so musste ich schon etwas Überzeugungsarbeit leisten.

Nun um 10:40 Uhr, also 23 Stunden und 40 Minuten nach dem Start, durfte ich nun ein allerletztes Mal ins große Becken der Parktherme. Meine bessere Hälfte wurde samt Kamera am Beckenrand positioniert und die übrigen Teammitglieder sowie ein großes Publikum versammelte sich drumherum. Und dann schwamm ich was das Zeug hielt! Ich versuchte die Tatsache zu ignorieren, dass ich schon 9 Mal zuvor zum Schwimmen ins Becken gestiegen war, dass ich müde war und gepusht vom Adrenalin zog ich meine Arme so schnell es ging durchs Wasser. Bei der Wende an der Zeitnehmungsmatte bekam ich dann mit, das der Countdown der letzten Sekunden gezählt wurde und versuchte innerhalb der letzten Sekunden noch den anderen Beckenrand zu erreichen. 24:00:00 waren um und unser Team hatte sage und schreibe 64,8 km erschwommen. (12,2km ich davon)

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v.l.n.r. Lukas, Anna, Manuela, Michaela, Lydia, Andreas, Daniel

Ich möchte mich auch auf diesem Weg nochmal herzlich bei Andreas, Anna, Michaela und Manuela bedanken, die mit mir so souverän diese 24 Stunden schwimmend verbracht haben. Ich hoffe auf eine Wiederholung! 😉 Und an unsere beiden Physiotherapeuten  Daniel und Lukas! Und ans Demeter-Weingut Wein von Ploder – Rosenberg!

 

(Der Wahrheit halber füge ich natürlich auch hinzu: am Sonntag war mein Gesicht komplett aufgezogen vom Wasser und von den Außentemperaturen, der Hunger und die Müdigkeit stark und der Stolz über die Leistung: noch stärker! 🙂 Und am Tag darauf konnte ich meine Hände kaum auf Schulterhöhe heben – aber soviel schwimmt man auch nicht immer!)

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Ein Kommentar zu „24 Stunden Schwimmen der Parktherme Bad Radkersburg 2016

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  1. Wow, das war ja mal eine interessante Lektüre. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg. Einfach schön zu lesen, wie du dich immer wieder selbst aufgemuntert hast und in das Becken gestiegen bist. 24 Stunden sind ja schon unglaublich, aber dann auch noch draußen. Ich bin in jedem Fall unglaublich beeindruckt. Es war auch sehr schön mehr über das gesamte Drumherum zu erfahren.

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